Wasserknappheit im Sommer. Wie ist die Lage im Murtenbiet?
Im Sommer 2026 blieben die Niederschläge deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, die Temperaturen lagen wiederholt über dem saisonalen Mittel. Die Nationale Trockenheitsplattform stufte weite Landesteile auf Warnstufe 4 («grosse Gefahr») ein – die zweithöchste Stufe des Systems.
Wenig überraschend führte dies vielerorts zu einem Rekordverbrauch von Wasser und zwang, gepaart mit einer geringeren Verfügbarkeit von Quellwasser, Gemeinden dazu, Bewässerungsverbote auszusprechen. Der Kanton Fribourg erliess bereits im Juni ein Wasserentnahmeverbot aus Fliessgewässern. Ausgenommen waren die grossen Seen, darunter auch der Murtensee.
Wird es in der Schweiz immer trockener?
Trockenperioden sind kein Zukunftsbild mehr. In Zentraleuropa werden sie häufiger, länger und intensiver. Sommerliche Niederschläge nehmen ab und gleichzeitig nimmt die Verdunstung immer weiter zu. Betroffen sind die Grundwasserneubildung, die Schüttung von Quellen und die Pegel der Fliessgewässer.
Für die Wasserversorgung von Siedlungsräumen wie dem Murtenbiet ergeben sich daraus zwei Herausforderungen: Erstens schwankt der Bedarf an Hitzetagen stark – es wird mehr geduscht, mehr gegossen, Pools werden gefüllt. Zweitens sinkt gleichzeitig oft das verfügbare Wasser für die Wasseraufbereitung.
Schon gewusst:
Trinkwasser darf aus Qualitätsgründen nur maximal 72 Stunden gespeichert werden. Eine Vorratshaltung für längere Trockenperioden ist somit nicht möglich. Daher ist die entscheidende Grösse nicht das Fassungsvolumen des Reservoirs, sondern wie viel Trinkwasser laufend produziert werden kann (Kapazität) und wie ausfallsicher die laufende Produktion dank Redundanzen ist.
Das Seewasserwerk: Herzstück und Grenze zugleich
Rund zwei Drittel des Trinkwassers im Murtenbiet stammen aus dem Murtensee (Details im Artikel «Trinkwasser fürs Murtenbiet» lesen). Das macht unsere Versorgung im kantonalen Vergleich robust: Der See ist eine grosse und stabile Wasserreserve im Vergleich zu Quellen und kleineren Fliessgewässern.
Trotzdem hat auch unser Seewasserwerk klare Grenzen. Die Anlage verfügt über zwei Produktionsstrassen mit je 2'000 Kubikmetern pro Tag Nennleistung – total also 4'000 Kubikmeter pro Tag. Das Redundanzprinzip ist entscheidend: nur solange wir unter 2'000 Kubikmeter Wasser pro Tag produzieren, dient die zweite Strasse als Ausfallreserve. Steigt die Produktionsmenge über 2'000 Kubikmeter, würde bei einer Störung die Kapazität nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage zu decken.
An Hitzetagen wie im Sommer 2026 bewegt sich unsere Produktion bereits bei rund 2'500 Kubikmetern pro Tag, was rund 1'700 Litern pro Minute entspricht. Das ist eine Auslastung, die sich der Belastungsgrenze der Anlage deutlich annähert.
Wer braucht wie viel Wasser? Ein Grössenvergleich.
Eine Person in der Schweiz verbraucht im Schnitt rund 140 Liter Trinkwasser pro Tag – Hauptposten sind die Toilettenspülung (über 40 Liter) und Duschen (36 Liter) oder Baden. Für die Rasenbewässerung verbraucht ein Rasensprenger für den Hausgebrauch rund 40 bis 800 Liter pro Stunde. Ein landwirtschaftlicher Kreisregner verteilt in einer Stunde gut die achtfache Menge (4’800 Liter) auf den Feldern. Bei diesem Verbrauch wäre die Kapazität unserer Wasserversorgung innerhalb kürzester Zeit ausgeschöpft.
Wichtig zu wissen: die landwirtschaftliche Bewässerung läuft zum grössten Teil nicht über das Trinkwassernetz. Viele Betriebe verfügen über eigene Quellen oder Leitungen, zum Beispiel auch unaufbereitet direkt aus dem Schiffenensee. Selbstverständlich geben wir in Trockenperioden so viel Trinkwasser für die Bewässerung ab, wie wir können. Übrigens auch die Fussballplätze (bis auf einen) und die grösste Grünfläche der Gemeinde, die Pantschauwiese, werden komplett mit Wasser direkt aus dem See bewässert.
Redundanz und regionale Vernetzung als Antwort
Steigt der Bedarf – durch Bevölkerungswachstum, heissere Sommer oder beides gleichzeitig – braucht es langfristig mehr und robustere Infrastruktur. Nicht nur an einzelnen Hitzetagen, sondern als Dauerlösung.
Ein zentraler Hebel dafür ist die Verbindung zu benachbarten Wasserversorgern, die es möglich macht, im Ausnahmefall Wasser auszutauschen. Das ist einer der Bausteine unserer Vision 2030+, unserem Massnahmenplan für eine robuste Wasserversorgung im Murtenbiet.
Aktuell besteht eine Leitung zur Association de l'alimentation en eau des communes de la Broye et du Vully (ABV) (durch den See) und zukünftig ist eine Verbindung zum Trinkwasserverbund Bibera (TWB) geplant.
Warum braucht es das?
Die Schweizer Wasserversorgung ist historisch stark kleinteilig organisiert: Rund 2'500 Wasserversorger sind im Land aktiv, in der Regel einer pro Gemeinde. Das hat lange funktioniert, weil Trockenperioden selten und kurz waren. Mit zunehmender Häufigkeit und Intensität gewinnt die regionale Vernetzung mit benachbarten Versorgern an Bedeutung. Es entstehen wirtschaftliche Synergien im Betrieb und gleichzeitig wird die Versorgungssicherheit erhöht.
Fazit
Trockenperioden wie im Sommer 2026 werden nicht die Ausnahme bleiben, sondern häufiger. Dank des Murtensees ist unsere Versorgung im Vergleich zu vielen anderen Regionen robust aufgestellt – wir stossen aber ebenfalls an Kapazitätsgrenzen, sobald die Nachfrage über längere Zeit hoch bleibt. Redundanz und regionale Vernetzung sind der Weg, den wir mit der Vision 2030+ konsequent weitergehen, um die Versorgung auch für künftige Sommer zu sichern.
Grundsätzlich gilt: Ein bewusster Umgang mit Trinkwasser schont diese begrenzte Ressource und hilft allen. Hier finden Sie einige Wasserspar-Tipps.

