Neu gilt für alle der Einheitstarif EnergiePur mit einer saisonalen Unterscheidung in Sommer und Winter; zusätzlich besteht die Möglichkeit, einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) beizutreten, um Solarstrom aus der Region zu beziehen.
Neue Stromtarife ab 2027: Einheitstarif und lokaler Solarstrom
Zum 1. Januar 2027 verändern und vereinfachen wir unser Angebot und die Tarifstruktur im Strombereich. Alle Kundinnen und Kunden in der Grundversorgung erhalten im Einheitstarif EnergiePur Strom aus erneuerbaren Quellen. Ergänzend dazu besteht neu die Möglichkeit, einer LEG beizutreten und so zusätzlich lokal produzierten Solarstrom aus der Region in Echtzeit zu beziehen. Alle Details zur neuen Tarifstruktur finden Sie in unserer Medienmitteilung in den aktuellen Meldungen. Nachfolgend gehen wir mit Andreas Gut auf einige Rückfragen ein.
Warum gibt es neu einen Einheitstarif für die Grundversorgung der im Sommer und Winter nicht gleich hoch ist?
«Die neue Tarifstruktur ist eine Reaktion auf die veränderte Energielandschaft durch die Energiewende. Man könnte sagen, dass die Tarife nun die Realität von Produktion und Verbrauch besser abbilden. Die Verfügbarkeit der elektrischen Energie und dadurch auch die Beschaffungskosten werden heute stärker von den erneuerbaren Energiequellen bestimmt. Vor allem durch die Photovoltaikanlagen ist Strom im Sommer günstiger. Im Verbrauch kommen mit der Elektromobilität und den Wärmepumpen neue Lasten dazu die viel flexibler und angepasst auf die Verfügbarkeit des Stroms betrieben werden können.
Mit dieser Ausgangslage ist das Konzept von Hoch- und Niedertarif überholt. Und der neue Einheitstarif mit saisonaler Unterscheidung in Sommer und Winter ist daher die logische Konsequenz.»
Was heisst das für mich als Stromverbraucherin oder Stromverbraucher?
«Vorneweg gesagt: Für Kundinnen und Kunden im Einheitstarif sinken die Stromkosten erneut für Kundinnen und Kunden im Gewerbetarif bleiben diese stabil. Die Umstellung auf den saisonal unterschiedenen Einheitstarif wirkt sich übers Jahr hinweg kaum auf die Höhe der Stromkosten aus. Statt AquaSuisse, AquaEuro oder SolarMurten erhalten alle EnergiePur; der Wechsel erfolgt für alle Kundinnen und Kunden automatisch.
Was aber weiter relevant bleibt ist, dass wir möglichst dann Strom verbrauchen, wenn dieser lokal aus erneuerbarer Produktion verfügbar ist. Das ist nachhaltiger und nun auch günstiger. Hier spielen die lokalen Elektrizitätsgemeinschaften, LEGs, eine entscheidende Rolle.»
Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft soll eine sinnvolle Ergänzung zum Einheitstarif sein. Ist das so und lohnt sich der Beitritt zu einer LEG?
«Ja, das ist richtig, für die meisten Haushalte lohnt sich der Beitritt zu einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft. Nur bei sehr geringem Stromverbrauch wird die Ersparnis kaum spürbar sein.
Wer über eine LEG lokal produzierten Solarstrom bezieht, erhält nicht nur einen günstigen Energiepreis, sondern bekommt auch einen Rabatt auf die Netznutzung von 20 oder 40 Prozent. Das ist abhängig davon, ob der Strom im gleichen Trafokreis produziert wird oder nicht. Dem steht eine Grundgebühr von CHF 2.50 pro Monat und Zähler gegenüber.
Für einen Vier-Personen-Haushalt mit 4500 Kilowattstunden pro Jahr bleibt nach Abzug der Gebühr eine Ersparnis von etwa CHF 50.– respektive rund CHF 100.- übers Jahr. Bei Bezügern mit grösserem Verbrauch ist das natürlich entsprechend mehr.
Am meisten profitiert ein LEG-Teilnehmer, wenn er seinen Verbrauch bewusst in Zeiten verschiebt, in denen Solarstrom produziert wird. Also zum Beispiel den Boiler tagsüber statt abends aufheizt. Wer tiefer in die Thematik einsteigen will: Wir haben dazu einen ausführlichen Wissensartikel geschrieben.»
Wie trete ich einer LEG bei?
«Das geht relativ einfach online über leghub.ch. Man gibt dort seine Adresse ein und sieht sofort, ob es in der eigenen Gemeinde schon eine passende LEG gibt. Gibt es mehrere, würde ich empfehlen, die Konditionen zu vergleichen, die sind nämlich nicht überall gleich. Auch die IB-Murten betreiben LEGs im eigenen Versorgungsgebiet.
Anschliessend stellt man eine Beitrittsanfrage, die der LEG-Vertreter und die IB-Murten als Verteilnetzbetreiberin prüfen und den neuen Nutzer bestätigen beziehungsweise frei schalten. Sobald die Bestätigung da ist, bezieht man nach einer Frist von maximal 3 Monaten automatisch den lokalen Solarstrom in Echtzeit, man muss also nichts weiter tun.»
Was ist, wenn kein LEG-Strom verfügbar ist?
«Das ist kein Problem, man bleibt ja Kundin oder Kunde der IB-Murten und wir stellen die Versorgung zu jederzeit sicher. Ist gerade kein lokaler Solarstrom verfügbar, bezieht man automatisch Strom aus dem Netz der IB-Murten zum EnergiePur-Tarif. Man merkt davon eigentlich gar nichts, es gibt keine Unterbrechung. Und spätestens hier wird klar, wieso die LEGs ein idealer Zusatz zum Einheitstarif sind und kein Ersatz.»
Ändert sich die Ausgangslage oder Empfehlung, wenn ich selbst eine Photovoltaik-Anlage besitze?
«Dann gilt: Zuerst den eigenen Verbrauch optimieren, das bringt am meisten. Erst wenn wirklich mehr Strom produziert wird, als man selbst braucht, macht es Sinn, den Überschuss weiterzugeben, zum Beispiel im eigenen Haus, an die Nachbarschaft oder eben gemeindeweit über die LEG. Wie das im Detail funktioniert, zeigen wir auf unserer Seite «Solarstrom teilen» und im Wissensartikel zu den LEGs.»

