Darum ist Fernwärme ein wirtschaftlicher und ökologischer Gewinn

 | Wir sprechen mit dem Geschäftsführer der Industriellen Betriebe Murten, Charles N. Moser, über Fernwärme und ihre wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile.

Herr Moser, heizen die IB-Murten mit Fernwärme?

Selbstverständlich!

 

Und Sie selbst, bei Ihnen zu Hause?

Noch nicht, leider. Ich wohne an einer Strasse, die erst in einer späteren Etappe erschlossen wird. Wenn es soweit ist, werde ich sofort auf Fernwärme umstellen.

 

Selbst wenn es teurer wird als bisher?

Das ist ein weit verbreiteter Trugschluss. Fernwärme ist gegenüber einer Öl- oder Gasheizung sehr wohl konkurrenzfähig. 

 

Warum denken dann viele Leute, Fernwärme sei viel teurer?

Weil Äpfel mit Birnen verglichen werden. Unsere Fernwärme-Tarife sind «all inclusive». Da ist nicht nur die Wärme selbst, sondern auch die Wartung, allfällige Reparaturen und die Amortisation der Anlagen im Preis drin. Bei anderen Heizungen haben wir hingegen oft bloss die Kosten für die Öl- oder Gaslieferung im Kopf und vergessen den Kaminfeger, den Unterhalt des Heizkessels, die Reparaturen und vor allem die Ersatzinvestitionen, die nach 20 Jahren anfallen.

 

Rechnen Sie uns ein Beispiel vor.

Eine Ölheizung für ein Einfamilienhaus kostet rund 29 000 Franken. Bei einer Lebenszeit von etwa 20 Jahren müssten Sie also jedes Jahr rund 1500 Franken zur Seite legen, um später eine neue Heizung zahlen zu können. Diese 1500 Franken müssen – nebst den jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten – auch in einer Vollkostenrechnung berücksichtigt werden.

 

Manche zögern mit Fernwärme, weil sie sich nicht an einen Anbieter binden wollen.

Ich verstehe solche Befürchtungen sehr gut. Wir alle haben das Bedürfnis nach Flexibilität. Wer nicht zufrieden ist, will wechseln. Unsere Lösung: Verträge, die jederzeit gekündigt werden können. Übrigens: Auch bei Öl und Gas sind Sie an einen Lieferanten gebunden, der den Rohstoff wiederum aus einem bestimmten Land bezieht.

 

Andere Kunden fürchten, den steigenden Wärmepreisen ausgeliefert zu sein.

Diese Angst ist unbegründet. Die IB-Murten können die Preise nicht einfach willkürlich festlegen. Der wichtigste Bestandteil unserer Tarife ist der Holzpreis. Wir haben einen Vertrag, der diesen Preis auf 10 Jahre hinaus definiert. Im Übrigen sind unsere Tarife – einmalige Anschlussgebühr, Jahresgrundgebühr und Preis für die eigentliche Wärme – indexiert und unter anderem an den Landesindex der Konsumentenpreise gekoppelt. Seit 2007 ist eine stabile bis leicht rückläufige Tendenz der Wärmepreise zu beobachten.

Von wo stammt eigentlich das Holz für die Fernwärme-Produktion?

Mindestens 70 Prozent wird aus Wäldern im Umkreis von 20 Kilometern rund um die Heizzentrale beschafft. Maximal 30 Prozent kommen aus einem Umkreis von bis zu 40 Kilometern. Holz gibt es übrigens genug: Allein im Gebiet des Forstbetriebs, der uns beliefert, wachsen pro Jahr rund 11 300 m3 Holz nach.

 

Und wenn die Heizzentrale aussteigt, dann frieren diese Haushalte.

Nein. Wir haben zwei Holzöfen und – falls nötig – einen Gasbrenner. Sollten alle Stricke reissen – was äusserst unwahrscheinlich ist, wie die schweizweiten Erfahrungen zeigen – könnten wir zudem mobile Heizanlagen einsetzen. Diese würden an unterschiedlichen Orten

im Verteilnetz Wärme einspeisen.

 

Wie ökologisch ist Fernwärme?

Im Vergleich mit anderen Heizsystemen schneidet Fernwärme hervorragend ab. Sie belastet das Klima nicht zusätzlich, weil das Holz, das wir in Wärme umwandeln, das CO2 beim Wachstum gespeichert hat. Bei der Fernwärme entsteht durch die hocheffiziente Produktion sowie modernste Filter zudem kaum Feinstaub. Und: Fernwärme greift – im Gegensatz zu Erdgas und Heizöl – auf lokale Ressourcen zurück.

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